BVRD

Berufsverband für den Rettungsdienst e.V.
 
Alfred Brandner: Amok nach Winnenden nun auch in Ansbach
Geschrieben von Alfred Brandner am Sonntag, 20. September 2009

aktuelle News Man kann beobachten, dass nach jedem Ereigniss Reaktionen ausgelöst werden, die bei subjektivem Empfinden eher einem huyperaktiven Geschehen gleichen, als einer gezielten Bewältigung und Ursachenforschung. Das betrifft  die Berichterstattung in manchen Medien, aber insbesondere das Verhalten der politisch Verantwortlichen. ( z. B. Winnenden)

Überblick über Amokereignisse in Deutschland:
1999  Dillingen                (5 Tote, Suizid des Täters)

1999  Bad Reichenhall    (4 Tote, Suizid des Täters)

1999  Bielefeld                (7 Tote, Suizid des Täters)

2000  Westerhold           (2 Tote)

2000  Dortmund              (3 Tote, Suizid des Täters)

2000  Salzgitter               (3 Tote, Suizid des Täters)

2001  Neubeuren            (3 Tote, Suizid des Täters)

2002  Freising                 (3 Tote, Suizid des Täters)

2002  Erfurt                     (17 Tote, Suizid des Täters)

2003  Pforzheim              (3 Schwerverletzte)

2006  Emsdetten             (5 Personen Schussverletzungen, 32 mit

                                          Rauchgasinhalation)

2009  Winnenden            (16 Tote, Suizid des Täters)

2009  Ansbach                (9 Verletzte)

Von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird Amok als willkürlicher, nicht provzierter Ablauf mörderischer, oder erheblich fremd - zerstörerischem Verhalten beschrieben.

Amokläufe sind im direkten Vergleich mit anderen kriminellen Handlungen sehr selten, aber in der Auswirkung stets tragisch. Täter nehmen oftmals den eigenen Tod in Kauf, mit der Vorstellung möglichst viele andere Menschen "mitnehmen" zu wollen. Man kann davon ausgehen, dass die Taten stets gut geplant sind. Es ist davon auszugehen dass ein Tatentschluss über lange Zeiträume reift. In der Literatur werden Amoktaten als "Endpunkt eines langen Weges" beschrieben, der die zielgerichtete tödliche Gewalt als einzige Lösung der Probleme der Täter erscheinen lässt.

In der Forschung gibt es seit Jahren Hinweise darauf, dass regelmäßige persönliche Kränkungen, Mobbing, sowie Niederlagen und Verlustsituationen von Tätern als besonders schwerwiegend wahrgenommen wurden. (Schulverweise, Kündigung von Arbeitsverhältnissen, Trennungen) usw.

Und es ist längst bekannt, dass die psychische und physische Gesundheit durch Frust erheblich in Mitleidenschaft gezogen wird. Die Auswirkungen nehmen bedrohliche Formen an. Ängste, Entäuschungen und Belastungen aus zwischenmenschlichen Beziehungen, wenn sie lange genug dauern und intensiv sind, hinterlassen deutliche Spuren. Das sehr wichtige Gefühl der sozialen Zugehörigkeit zu einer Gruppe, und die Erfahrung gebraucht, anerkannt, und für vollbrachte Leistungen belohnt zu werden, ist aber erforderlich für die notwendige Bewältigung emotionaler Spannungen. Fehlen die Motivation der Zugehörigkeit und Anerkennung, dann schlagen Krisen drastisch durch, und die Krankheitsanfälligkeit steigt dramatisch. Krankenkassen haben in 2009 festgestellt, dass z.B. eine verhältnismäßig hohe Steigerung von psychischen Erkrankungen bei Arbeitnehmern aufgetreten ist.

Wir sollten aber nicht nur die Zielgruppe der Arbeitnehmer im Auge haben. Millionen Schüler/Innen erleben Alltagssituationen, in denen sie Anforderungen ausgesetzt sind, die sowohl bei subjektivem Empfinden, als auch bei objektiver Betrachtung kaum zu bewältigen sind. Überlastete Eltern können oder wollen  Kindern und Jugendlichen nicht den erforderlichen Rückhalt geben.  Lehrer können diesen Mißstand kaum kompensieren. Fehlende Kommunikation trägt zur kontinuierlichen Verschlechterung der Situation bei.

Natürlich kann eine Auflistung möglicher Indikatoren, kein Beweis für die Ursache von Amoktaten sein. Man darf aber davon ausgehen, dass Menschen mit einem gesunden Selbstwertgefühl eher dazu in der Lage sind, mit oftmals gegebenen Asnahmesituationen fertig zu werden, als die Gruppe die sich permanent übergangen, übersehen, vernachlässigt und aus dieser werten Gesellschaft ausgestoßen wurde, oder die Situation als solche einstuft.

Es gibt Lösungsansätze, wenn wir nur wollen. Grundlegende Kriterien gilt es zu intensivieren. Wir müssen dafür Sorge tragen, dass wir gemäß einer Kultur des Vertrauens, mit der notwendigen Offenheit, und dem gebotenen gegenseitigen Respekt miteinander Umgehen. Auch wenn man untereinander nicht immer einer Meinung sein kann, so  ist es doch wichtig, dass man rechtzeitung und konstruktiv miteinander an Problemstellungen arbeitet, und sich um Kompromisse und Konsens bemüht.

Es wird aber weiterhin Amoktaten und andere Gewaltdelikte geben, und aktuelle Ereignisse deuten auf eine "andere Qualität" der Straftaten hin. Somit ergibt sich  die dringliche Erfordernis auch Rettungsfachpersonal entsprechend zu schulen. Verhalten und der Umgang mit Einsatzkräften der Polizei  müssen erlernt werden.

    E -Mail: alfred.brandner52@t-online.de

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