First Responder, ein heute in der Notfallmedizin viel verwendeter Begriff. Dochdie neuzeitliche Bezeichnung für das Personal zur Erstversorgung von Notfallpatienten beschreibt keine neue Aufgabe.
Bereits 1988 war ich in einer Rettungsdienst-Motorradstaffel auf der A 7 tätig. Schnelle, qualifizierte Hilfe bei Notfällen, so lautete mein Auftrag. Lange Anfahrtswege der Rettungsdienste aus den Städten, sowie das Risiko unpräziser Notfallmeldungen und der daraus resultierenden Verzögerung der Entsendung geeigneter Rettungsmittel, begründeten den Einsatz des Motorrades als Vorausfahrzeug. Das Rettungsdienst-Motorrad, war immer direkt im Einsatzgebiet auf der A 7 in Bereitschaft. Neben der schnellen Hilfe auf der Autobahn, sowie der gezielten Nachalarmierung von Feuerwehr und anderen Fachkräften, stand auch die Erstversorgung von Notfallpatienten in den Dörfern links und rechts der Autobahn auf dem Plan. Mit einem kleinen Einsatzbericht möchte ich einen damals schon erfolgreichen Tagesablauf aus dieser Zeit beschreiben.
Es ist Samstag 8.00 Uhr. Mein Dienst als „Rettungsassistent auf zwei Rädern“ beginnt. Zuerst aber wie bei allen Einsatzfahrzeugen üblich, Fahrzeug - und Ausstattungscheck. Das Funkgerät ist auf den richtigen Kanal gestellt. Eine Sondergenehmigung regelt, dass wir den Kanal der Autobahnpolizei für unsere Zwecke nutzen können. In meinem Helm sind Kopfhörer und Mikrofon eingebaut. Die Sprechtaste befindet sich am Lenker neben dem Kupplungsgriff. Das Funkgerät ist hinter der Sitzbank in einem speziellen Behälter eingebaut. Dann Blicke in die Koffer: Beide sind bestückt mit notfallmedizinischem Material. Sie beinhalten alles, um z.B. die Vitalfunktionen Atmung und Kreislauf wiederherstellen und aufrechterhalten zu können. Man ist durch die Koffergröße in seiner Materialauswahl sehr beschränkt, aber für den Notfall ganz gut gerüstet.
Sonderrechte genehmigt
Schnell noch mal schauen, ob der Tank auch voll ist, und dann rein in die Lederkombi. Nun noch den Helm auf, Funkkabel eingesteckt und die Fahrt beginnt. Wir sind berechtigt die Standspur, sowie die nicht öffentlichen Ausfahrten zu benutzen. Bei Stau sind Sonderrechte genehmigt. Meine Dienstzeit ist heute 8.00 - 14.00 Uhr. Das Verkehrsaufkommen ist hoch, aber kein Stau. Mein Standort: A 7 Westhausen in Fahrtrichtung A 8 München. Auf der Strecke, in Höhe Heidenheim befindet sich die Autobahnmeisterei. In dieser gehen die Notrufe über die Notrufsäulen ein. Hier unterbreche ich meine Fahrt, und bei einer Tasse Kaffee mit dem Diensthabenden wird die aktuelle Situation erörtert. Selbstverständlich kommt auch privates nicht zu kurz. Danach geht es wieder auf die Strecke.
Zwischen Heidenheim und Aalen bekomme ich meinen ersten Einsatz: „Verkehrsunfall nach den Ellwanger Bergen“ lautet die Meldung. Nach kurzer Fahrzeit mit Sonderrechten erreiche ich den Einsatzort. Polizei und ADAC sind vor Ort und sichern die Unfallstelle vorbildlich ab. Mehrere Fahrzeuge sind aufgefahren. Obwohl sich alle Fahrzeuginsassen in einem scheinbar unverletzten Zustand befinden, lasse ich mich nicht beirren, und untersuche alle Personen nach einem für solche Situationen vorgesehenen Schema. Es muss erwähnt werden, dass in einer solchen Situation die psychischen und physischen Reserven gefordert sind. Man ist auf sich alleine gestellt, ohne die Möglichkeit einen Hilfesuchenden Blick auf einen Notarzt oder Kollegen werfen zu können. Die sorgfältige Untersuchung hat sich bewährt. Eine Frau mit Thoraxtrauma, wird an die bereits von mir nachgeforderte RTW - Besatzung übergeben.
Dramatische Augenblicke
Die Situation spitzt sich dramatisch zu. Da die Autobahn an der Unfallstelle nur einspurig befahrbar ist, ergeben sich bedingt durch mit weit überhöhter Geschwindigkeit nahenden Fahrzeugen gefährliche Szenen: Ein Kradfahrer fährt mit der Situation angemessener Geschwindigkeit an der Unfallstelle vorbei. Von hinten kommt ein „Raser“ und rammt den Zweiradfahrer. Dieser wird samt Maschine durch die Luft geschleudert, und kommt dann auf der Straße zu Fall. Der Kradfahrer kommt wieder auf die Beine und bringt sich in Sicherheit. Ein sorgfältiger Check lässt außer diversen Prellungen und Hautabschürfungen keine weiteren Verletzungen erkennen. Dennoch wird der Patient nach entsprechender Erstversorgung in einem RTW aufgenommen und zur Klinik transportiert.
Dieser Einsatz ist für mich beendet. Ich befinde mich auf der Autobahn in Fahrtrichtung Heidenheim / München. Es erreicht mich ein neuer Alarm:
Psychische erste Hilfe
„Verkehrsunfall bei der Anschlussstelle Heidenheim“. Bereits nach wenigen Minuten habe ich die Einsatzstelle erreicht. Mit dem Motorrad, hatte ich keine Schwierigkeiten, trotz Stau an die Einsatzstelle heranzukommen. Mehrere Fahrzeuge sind kollidiert. Glücklicherweise ist niemand verletzt. Eine PKW-Fahrerin wird wegen psychischer Überlastung betreuungsbedürftig. Diese wird an zwei Mitarbeiter des THW zur weiteren Betreuung überantwortet.
Internistischer Notfall
Die Fahrt geht wieder in die andere Richtung. Ziel sind die Ellwanger Berge. In der dortigen Raststätte ist eine kurze Pause vorgesehen. Aber schon nach wenigen Minuten erfolgt die nächste Alarmierung. Internistischer Notfall am Badesee Rheinau. RTW und NEF sind auf der Anfahrt. Nach zehn Minuten treffe ich als erster ein. Schnell wird klar, dass es sich um ein weniger dramatisches Geschehen handelt. „Kreislaufdysregulation „ so meine Verdachtsdiagnose und Rückmeldung.
Nach diesem Einsatz naht auch schon meine Dienstende, und ich bin froh, dass ich keine schwerstverletzten oder akut erkrankten Patienten versorgen musste.
Abschließen kann man sagen, dass die Motorradstaffel von allen Behörden, Organisationen und vor allem den Patienten gut angenommen wird. Die Eintreffzeiten qualifizierter Hilfe, werden offensichtlich zum Vorteil großer Zielgruppen verbessert. Qualifizierte medizinische Erstversorgung für Autobahnnutzer und Bewohner der Autobahn nahe liegenden Dörfern.
Quelle: alfred.brandner52@t-online.de
Alfred Brandner
Moltkestraße 23
73525 Schwäbisch Gmünd
Alfred Brandner
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