Ein 61-Jähriger lag über einen langen Zeitraum Tod in seiner Wohnung. So die Meldung vom Einsatzgeschehen im City-Center in Schwäbisch Gmünd. Solche Vorgänge sind für Polizei und Rettungsdienste tägliche Praxe, und werden professionell „abgewickelt“. Die Veröffentlichungen in den Zeitungen sind sachlich nüchtern, und gleichen denen, in welchen von Ladendiebstählen oder vom Einbruch in den Vorratskeller berichtet wird. Doch es steckt wesentlich mehr dahinter. Und wer da denkt, dass ein solcher Einsatz, für die beteiligten Einsatzkräfte (Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei) bei Dienstende beendet ist, der irrt gewaltig. Es macht mir große Sorge, regelmäßig feststellen zu müssen, dass es in unserer westeuropäischen Kultur möglich ist, inmitten von tausenenden Menschen, vielleicht sogar mit großen Schmerzen, einsam sterben zu müssen. Obwohl auch eigene Erfahrungen bestätigen, dass sehr oft die Möglichkeit besteht, selbst noch nach Tagen des Eintretens einer Erkrankung, Leben und Gesundheit retten zu können, müssen wir immer wieder erleben, dass Wochen und Monate bis zum Auffinden dann bereits Verstorbener vergehen. Alle Beteiligten zeigen sich dann sehr betroffen, und keiner will bemerkt haben, dass man den Nachbarn, oder Verwandten sechs Monate nicht gesehen hat!
Nicht schon schlimm genug. Sehr erstaunlich ist, dass in diesem Fall, wie ja beschrieben wird, offensichtlich selbst eindeutige Hinweise von keinem der direkt Beteiligten wahrgenommen wurden. Weder von den Postzustellern, noch vom Stromlieferanten. In wieweit die Hausmeister involviert sind, kann ich nicht beurteilen. Fakt ist, „Der Briefkasten war vollgestopft, und Rechnungen nicht bezahlt. Sogar der Strom war abgestellt.“
Fast jeder „Klein-Kriminelle“ ist in der Lage, ein solches Signal, das sicher eine Gewisse, wenn auch minimale Anforderung an den „menschlichen Geist“ darstellt, dankend anzunehmen, und nützt diese zu seinen Gunsten.
Nachbarn, Hausmeister, Stromlieferant und Postzusteller haben zu mindest in diesem Fall wesentlich länger gebraucht die Situation zu erfassen. Ein halbes Jahr hat es gedauert, bis man auf die Idee kam, nach einem verschollenen Mieter zu schauen.
Fehlende Kommunikation, sowie die ständig zunehmende Anonymisierung und Gleichgültigkeit in unserer Gesellschaft, ermöglicht ein solches Geschehen.

