Dullah hat sein gesamtes Hab und Gut verloren. Foto: humedica/ Christian Batscheider
Nach den schweren Beben auf Sumatra vergangene Woche sind die humedica-Mitarbeiter
in den Gebieten rund um die Stadt Padang damit beschäftigt, die
Katastrophenopfer medizinisch zu versorgen und lebensnotwendige
Hilfsgüter zu verteilen. humedica-Koordinator
Christian Batscheider ließ uns nach den ersten Einsatz-Tagen einen
Bericht zukommen, der den Alltag nach der Katastrophe umschreibt.
„Heute Morgen um 6.00 Uhr sind wir nach nur fünf Stunden Schlaf
aufgestanden, haben kurz gefrühstückt und dann Arzneimittel,
Verbandstoffe und unser medizinisches Equipment in die Autos verladen.
Mit neun Fahrzeugen brechen wir in den Norden von Pariaman auf. Die
ersten beiden Stunden Fahrt nutzen wir noch, ums uns etwas auszuruhen.
Dann geht es los.
In Pariaman fahren wir nach Osten in ein Seitental, das etwa 15
Kilometer lang ist. Links und rechts der Straße stehen fast ausnahmslos
kleine Dörfer oder das, was von ihnen übrig geblieben ist. 80% der
Häuser sind zerstört. Die Erwachsenen sitzen vor den zerstörten
Gebäuden, einige haben bereits damit begonnen, ihr Haus zu reparieren.
Erstaunlich fröhliche Kinder sammeln in braunen Pappkartons Geld von
den Insassen der vorbeifahrenden Autos.
Wir sind betroffen von der Zerstörung in diesen Siedlungen und es
schmerzt, diese Dörfer hinter uns lassen zu müssen, ohne zu helfen.
Aber unser heutiges Ziel ist die weiter entfernte Ortschaft Simpang
Lapang. Vereinzelt entdecken wir die auch von humedica
ausgegebenen blauen Plastikplanen, die die Bewohner im Garten
aufgespannt haben. Darunter liegen die wenigen Habseligkeiten, die aus
den zerstörten Häusern noch geborgen werden konnten.
Unsere Fahrtroute gestaltet sich schwieriger als gedacht. Murenabgänge
und Risse in der Asphaltdecke verhindern, dass wir schneller
vorankommen. Die Stimmung im Auto ist gedrückt. Es macht uns ganz schön
zu schaffen, dass die Menschen hier fast alles verloren haben.
Die Straßen im Gebirge sind von Erdrutschen mitgerissen und zerstört worden. Foto: humedica/ Christian Batscheider
Im Dorf Simpang Lapang wird uns berichtet, dass es in den Ortschaften
weiter oben in den Bergen noch keine medizinische Hilfe gegeben hat.
Die Straße dorthin ist nur noch zu Fuß zu passieren, da die Hälfte der
Fahrbahn ins Tal abgerutscht ist. Tiefe Risse im Asphalt wirken wenig
vertrauenerweckend. Unser 15-köpfiges Mediziner-Team schultert
kurzerhand die Kisten für die medizinische Versorgung und marschiert
los.
Bei einer Temperatur von 35 Grad im Schatten und hoher Luftfeuchtigkeit
ist der Weg sehr anstrengend. Zeit zum Genießen der wunderschönen
Landschaft gönnen wir uns nicht. Als wir an einem Polizeiposten
vorbeikommen, helfen uns meine philippinischen Kollegen (ich selbst bin
ja Polizeihauptmeister in Bayern) und nehmen die Medikamente mit ihrem
bereitgestellten Pick-up mit zur nächsten unpassierbaren Straße.
Auch hier wieder: Schlammmassen von enormem Ausmaß haben die Straße ins
Tal gerissen. Einheimische richteten daraufhin einen Trampelpfad über
ein angrenzendes Palmenfeld ein. Vor der Schlammlawine treffen wir auf
ein ungarisches Rettungsteam, welches uns von 120 Verletzten in den
nächsten Ortschaften berichtet. Wir zögern nicht, schultern erneut
unsere Medizinkisten und laufen weiter.
Die Helfer sind ständig im Einsatz um Hilfsgüter zu den Opfern der Beben zu bringen.
Im nächsten Dorf angekommen, beschließen wir, unsere mobile
Krankenstation aufzubauen und beginnen mit der Behandlung der Kranken
und Verletzten.
Fünf Mitglieder des humedica-Teams
machen sich auf den Weg in die nächste Siedlung, um Informationen über
die dortige Lage zu bekommen. Auch hier wieder das gleiche Bild.
Eine etwa 300 Meter lange Schlammlawine hat die Strasse und angrenzende
Häuser in die Tiefe gerissen. Einige Angehörige und ein einheimisches
Rettungsteam sind immer noch pausenlos im Einsatz, um verschüttete
Menschen zu bergen. Starker Verwesungsgeruch lässt jedoch vermuten,
dass hier bereits Menschen gestorben sind.
Als wir nach einem anstrengenden Fußmarsch im Dorf Kota Tingri
ankommen, sind wir geschockt. Das Dorf liegt auf einem Bergplateau im
Dschungel. Links und rechts fehlt ein Großteil des Dorfes. Berghänge
sind während des Erdbebens abgerutscht. Zahlreiche Häuser liegen nun
auf dem Talgrund bzw. die Trümmer dieser Gebäude.
Erdrutsche haben die Dörfer zerstört - die Bewohner stehen vor dem Nichts. Foto: humedica/ Christian Batscheider
Auch hier versuchen Angehörige mit Unterstützung eines kleinen,
indonesischen Rettungsteams immer noch verzweifelt, Familienmitglieder
unter den Trümmern zu finden. Die Überlebenden berichten, dass 40% der
Einwohner getötet worden seien. Die restlichen Dorfbewohner sitzen auf
Bambusmatten und schauen traumatisiert und mit apathischem Blick der
Aktion der Hilfskräfte zu. Eine erste medizinische Versorgung hat in
dieser Ortschaft zwei Tagen nach dem Beben schon stattgefunden. Auf
Lebensmittel warten die Bewohner seit 5 Tagen.....“
Dank Ihrer Spenden konnten wir bereits viel bewirken, sind aber auch weiterhin auf Spenden angewiesen, um unsere Hilfe fortsetzen zu können:
Spendenstichwort „Erdbeben Sumatra“
Konto 47 47
BLZ 734 500 00
Sparkasse Kaufbeuren
http://www.humedica.org
